Für den Umweltschutz engagieren!

TROTTHEIDE e.V.


        HISTORIE


Vom Anfang der Bürgerinitiative bis heute

Der Trottheide e.V. wurde nach Verklappung giftigen Mülls in einem Tontagebau-See gegründet.

Der Müllskandal: Nahezu 60 „Tontagebaurestlöcher“, kurz Tonstiche genannt, bilden nördlich von Zehdenick (Kreis Oberhavel) eine ganz eigene reizvolle Naturlandschaft mit Wäldern, Auen und in der Regel sauberen Seen. Von ihnen ist der größte und im Norden bei Tornow und Marienthal gelegene der Trottheidesee. Er wurde sogar als Naturschutzgebiet mit der Norm „flora-fauna-habitat“ und als Vogelschutzgebiet hochgradig geschützt.

Trotzdem verkaufte ihn 1992 die Treuhand mit Sondergenehmigung vom damaligen Umweltminister Matthias Platzeck an den Immobilienhändler Ulrich Pietrucha. Angeblich wollte dieser eine Ferienhaussiedlung auf der Halbinsel des Sees bauen lassen und gab vor, dafür Material zur Uferbefestigung des Sees anfahren lassen zu müssen. Daraus entwickelte sich von 1994 bis Mai 2006 das Betreiben einer illegalen Deponie. Pietrucha interessierte sich nicht für geeigneten zerkleinerten Bauschutt, den er noch hätte bezahlen müssen. Lastwagen fuhren stattdessen Tag und Nacht und brachten von abgebrochenen Gebäuden alles mit, Steine, Betonteile, Sanitäranlagen, Asbestplatten, Autoreifen …

Der Tonstich wurde damit trotzdem nicht voller! Der Grund: Ein großer Teil wurde einfach neben dem Tonstich deponiert. Es entstand ein Plateau. Dann erhöhte man mit dem Material einfach den Rand der Grube und pumpte gleichzeitig das Wasser aus dem Stich in das nahe gelegene Tornowfließ, von wo aus es in die Havel gelangte. Am nordwestlichen Ufer des Sees bot die etwa 70 m breite und 150 m lange Böschung nun Platz für letztlich 21.000 m³ schadstoffbelasteten Müll, der hier ab 2003 angefahren wurde.

Im Frühjahr 2006 war für die Bürger in Tornow und Marienthal das Maß voll: Die zur Trottheidegrube fahrenden LKWs brachten von der Müllsortieranlage Fürstenberg stinkenden Sondermüll mit Abrieb von Recyclinganlagen, auch Klärschlamm und schließlich auch Krankenhausabfälle aus Limburg an der Lahn. Aus dem See war durch das Wasserabpumpen („Sümpfen“) ein kleiner Tümpel aus schwarzer stinkender Gülle geworden. Wenn der Wind entsprechend stand, konnte man nicht mehr die Fenster aufmachen. Die vier Biber vom Trottheidestich wurden tot aufgefunden und etwa 150 tote Fische aus dem Tornowfließ geholt. Das dem Wirtschaftsministerium unterstehende Bergamt (LBGR) hatte mit seiner Kontrolle völlig versagt, was sich die Bürger mit guten Geschäftsbeziehungen zum Grubenbesitzer erklärten.

Die Vereinsgründung: Jetzt musste etwas passieren! Förster Günther Drangosch aus Marienthal schlug Alarm in einem Zeitungsartikel. Ein von 17 Frauen der Kirchengemeinde unterschriebener Brief sorgte für den sofortigen Stopp des Sümpfens in das Fließ. Als dann ein LKW, der an der Grube andere Kennzeichen bekam und dann Tierkadaver abkippte, schalteten aus Tornow und Marienthal versammelte Bürger im Mai 2006 die Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft ein. Grubenbesitzer Pietrucha wurde, nachdem die Kripo in 21 Schürfen massenhaften Sondermüll feststellte und etwa 50 Bürger in Potsdam eine Demo zum Wirtschaftsministerium veranstaltete, aufgefordert, den Dreck auf dem Hang zu beräumen. Am 10. Juni 2006 gründeten wir unseren Verein. Uns wurde klar, dass wir nur so gegen Pietrucha und seine Firma, gleichfalls aber auch gegen das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) Forderungen durchsetzen können.

Verhängnisvolle Strategie des LBGR: Leider wurde zwar im Juli die Böschung vom Müll beräumt (8000 m³), nicht aber der noch unten in der Grube im und am Wasser problematische Dreck. Pietrucha weigerte sich, seinen Baggerführer da arbeiten zu lassen. Mit Pontontechnik hätte er das gefahrenlos bewerkstelligen können. Ihm gesetzte Fristen ließ er verstreichen. Das LBGR hätte da am besten mit einer Ersatzvornahme handeln müssen, denn zusehends stieg durch den Druck der Grundwasserleiter der Trottheidesee wieder an. Ein vom LBGR veranlasstes Öffnen eines Dammes verschlimmerte noch die Situation, weil nun das Auskoffern der unter dem See befindlichen Schadstoffe unmöglich wurde. Offenbar wollte man sich im LBGR mit der Verdünnung der im See verbliebenen toxischen Stoffe schnell aus der Affäre ziehen. Als Verein korrespondierten wir mit dem vom LBGR beauftragten Ingenieurbüro Beerbalk, das uns bescheinigte, dass wir es am Seeboden mit einer tickenden Zeitbombe von bis zu 200 Jahren zu tun haben. Die im Labor untersuchten Einlagerungen seien karzogen (krebserzeugend) und mutagen (erbgutschädigend).

Dynamik in der Bürgerbewegung: Von Anbeginn bis heute hatte der Verein immer 60 bis 75 Mitglieder, davon ein Drittel Fördermitglieder, die nicht aus der Region sind. „Der Dreck muss raus“ skandierten Vereinsmitglieder während der ersten Jahre immer wieder bei Zusammenkünften mit Politikern. Die damals 1. Vorsitzende Katrin Findeisen sorgte mit ihren Leuten für reichliche Präsentation unseres Vereins, beispielsweise beim jährlichen Marienthaler Sommerfest. Es wurde mit ihr auch der Marienthaler Weihnachtsmarkt gegründet und jedes Jahr eine naturkundliche Wanderung organisiert. Um die Anerkennung der Gemeinnützigkeit zu erhalten, mussten wir uns allerdings nach 2010 aus dem mehr volksfestlichen Engagement zurückziehen und zweckgebunden nur noch für den Naturschutz arbeiten. Wieder zeigten wir Flagge (Transparente), als 2010 der so genannte Trottheideprozess am Landgericht Neuruppin begann und erst im Juni 2011 nach vielen Verhandlungen mit der Urteilsfindung endete. Der Geschäftsführer der Fürstenberger Müllsortieranlage Laurent Schulz wurde zu zwei Jahren und vier Monaten und der Pächter von Ulrich Pietrucha Andreas Riebe zu drei Jahren Gefängnis wegen schwerer Umweltvergehen verurteilt. Ulrich Pietrucha trat im Prozess übrigens nur als Zeuge auf und beklagte sich dabei als armes Opfer.

Mit der Neuwahl auf der MV vom 13.11.2010 kam mit Christian Albroscheit auch Dr. Hans Sendler in den Vereinsvorstand. Er verfügte über beste politische Kontakte, insbesondere zum Landtag und Erfahrungen in Sachen Diplomatie. Wir verfassten mit ihm eine an den Landtagsausschuss gerichtete Petition, die in Anschlusserklärungen von 125 Bürgern unterstützt wurde. Die Trinkwassergefährdung und Gefährdung von Flora und Fauna durch die noch am Seeboden eingelagerten toxischen Schadstoffe wollten wir nicht hinnehmen und verlangten eine Lösung. Wenn im Winter der Trottheidesee weitestgehend zufriert, geschieht dieses nach wie vor nicht über den Schadstoffeinlagerungen. Hier sieht man auch noch immer bei Windstille eine Blasenbildung, die auf Fäulnisprozesse organischen Mülls hinweist.

Verhandlungen mit viel Geduld: Das für die Tongrube noch längerfristig zuständige Bergamt mit Sitz in Cottbus musste von uns immer wieder aufgesucht werden, um befriedigende Lösungen für die Trottheide zu finden. Das von ihm eingerichtete Monitoringprogramm, bei dem nur rund um das Gewässer herum mittels Brunnenrohre vierteljährlich die Fließrichtung und Wasserqualität der mittleren und unteren Grundwasserleiter kontrolliert wird, reicht nicht für eine notwendige wissenschaftliche Gefährdungsabschätzung hinsichtlich des Wasserkörpers aus, die auch für alle weiteren teuren Aktionen zur Renaturierung der Trottheide erforderlich gewesen ist. Hierzu entwickelte Prof. Dr. Schüürmann vom Umweltforschungszentrum in Leipzig geeignete Maßstäbe. Der voraussichtliche Preis hierfür: mindestens 140.000€. Wir konnten eine solche Finanzierung nur vom Wirtschaftsministerium erwarten und bekamen nach vielen Verhandlungen mit Minister Christoffers 2014 endlich die entsprechende Zusage. Pech war nur, dass 2014 nicht mehr rechtzeitig die vielfältigen Untersuchungen beginnen konnten. Würden die Mittel, weil 2015 mit dem neuen Minister Albrecht auch ein neues Haushaltsjahr begann, nun verfallen? Erst sah das so aus. Dr. Sendler gelang es am Ende durch Verhandlungen, doch noch über einen Nachtragshaushalt die Mittelzusage zu bekommen.

Die große wissenschaftlich fundierte Untersuchung des Sees: Die Proben zur Gewässeruntersuchung, mit der das IWB Dresden beauftragt wurde, wurden allerdings erst im Herbst und am Beginn des Winters 2015 genommen. Bei der Vorstellung der Untersuchungsergebnisse auf einer Bürgerversammlung im April 2016, später außerdem noch durch eine 150-seitige Dokumentierung, zeigte sich, dass unser See vielfach vermessen, beprobt und die Ergebnisse auch gründlich ausgewertet worden waren. Nur die Einsetzung von so genannten Passivsammlern war unbrauchbar (zu kurzer Zeitraum in zu kalter Jahreszeit mit untauglichem Material).

Die Gefahrenkontrolle unter und im Trottheidesee hat noch lange kein Ende

2017 half hier das Umweltforschungszentrum Leipzig mit Herrn Dr. Albrecht Paschke. Er brachte aus seinem Institut für Passivsammler geeignete Folien mit, die sich wie Lebewesen im Wasser verhalten, indem sie sich mit chemischen Stoffen anreichern und damit Aufschluss über die Gefährdung von Tieren und Pflanzen geben. Die Folien wurden mit wasserdurchlässigen Metallbehältern gesichert und diese an vier Positionen im westlichen Seebereich in verschiedenen Tiefen an Bojen am 2. Juni 2017 angebracht. Drei Monate später wurden sie wieder aus dem Seewasser geholt, eingefroren und gelagert. Erst im März und April 2018 konnten sie durch Dr. A. Paschke und seinen Mitarbeiter Dipl.-Ing. Uwe Schröter abschließend untersucht und analysiert werden (auf polyaromatische Kohlenwasserstoffe, polychlorierte Biphenyle, Organochlorpestizide und Pyrethroide).

Im Verein war man sehr auf das Resultat gespannt, das endlich am 11. Juni 2018 auf einer Bürgerversammlung im Gemeindezentrum Marienthal vorgestellt werden sollte. Dr. Paschke erklärte unter anderem: „Trikresylphosphate können in allen noch vorhandenen Passivsammlern nachgewiesen werden. Sie stammen vermutlich von Schmierstoffen wie sie beispielsweise in Tagebaupumpen verwendet werden.“ Er teilte den zahlreich erschienenen Marienthalern dann mit, dass Anfang September, als man die Sammler wieder aus dem See holte, drei Probenbehälter nicht mehr an den befestigten Positionen gewesen seien und verloren gegangen seien oder hier die Folien nicht mehr brauchbar waren. Die dünnen Stahlseile zur Befestigung seien durchtrennt gewesen, möglicherweise korrodiert. Entsprechende Fotos wurden gezeigt.

Damit war nun auch die 2017 neu angesetzte Untersuchung mittels Passivsammlern defizitär. Vertreter des Bergamts und Dr. Uhlmann und Frau Dr. Kreutziger vom Institut für Wasser und Boden in Dresden, die mit der großen wissenschaftlichen Untersuchung 2015/16 beauftragt gewesen waren, gingen auf die verloren gegangenen Sammler nicht weiter ein, resümierten vielmehr ausführlich die gesamte Gewässerbelastung. Sie sei für den Menschen nicht gefährlich, limnologisch trete jedoch nach und nach in den tieferen Wasserschichten das Problem der Verschlammung (Eutrophierung und Saprobisierung) auf, über dem am Seeboden eingekofferten Sondermüll sei das Wasser bezüglich der Metalloide und der polymeren Kohlenwasserstoffe jedoch nur niedrigschwellig und werde ja mit dem fortgesetzten Seewassermonitoring permanent kontrolliert. Es wurde zugegeben, dass der unter dem Sediment „eingelagerte“ Müll selbst nie beprobt wurde. Das wäre zu aufwändig gewesen.

Nach der Bürgerversammlung am Montag, dem 11.06.2018, beschlossen unsere Mitglieder in einer nachfolgenden MV, die 2017 im Trottheidesee verloren gegangenen drei Passivsammler an den entsprechenden Positionen im kommenden Jahr erneut einsetzen zu lassen. Es handelt sich um den oberen und den unteren Sammler der Position 4 und den unteren der Position 11.

Inzwischen sind seitens unseres Vorstands Gespräche mit dem Präsidenten des Bergamts (Thiem) und verschiedenen Bergamtsmitarbeitern (Hesse und Schroschk) und vor allem mit Dr. Albrecht Paschke vom Umweltforschungszentrum in Leipzig gelaufen, um den Mitgliederversammlungs-Beschluss zu realisieren.

Wir gehen im Vorstand davon aus, dass im Frühsommer 2019 vermutlich wieder in sinnvoller Abstimmung mit dem Monitoring noch einmal neue Passivsammler in den Trottheidesee kommen, diesmal sicher befestigt.

 





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